Geschichte der Brüderbewegung

Denn einer ist euer Lehrer, ihr alle seid Brüder (Mt 23,8) - deshalb nennen sich Brüdergemeinden „Brüder"-Gemeinden. Der Name hebt also kein Geschlecht hervor, sondern drückt die geschwisterliche Gestaltung und Verantwortung des Gemeindelebens aus, d.h. keine Unterscheidung zwischen „Geistlichen" (Klerus) und Laien.

Freie Brüdergemeinden verstehen sich als ein offenes Netz selbstständiger Gemeinden, die sich am Vorbild neutestamentlicher Gemeinde orientieren. Deshalb haben sie sich nicht in einem Dachverband oder Gemeindeverbund organisiert. Sie fühlen sich mit allen Menschen innerlich verbunden, die an Jesus Christus als ihren Herrn und Retter glauben und ihn als Mittelpunkt und Orientierung der Gemeinde sehen, auch wenn sie einzelne Punkte des praktischen Glaubenslebens aus der Bibel anders erkennen oder werten. Mehr als 200 Gemeinden bundesweit zählen sich zum Freien Brüderkreis.

Die Brüderbewegung

Die Brüderbewegung hat ihre Wurzeln in der Erweckungsbewegung der Mitte des 19. Jahrhunderts. Von England ausgehend verbreitete sie sich über Europa und Amerika in mittlerweile mehr als 100 Länder der Erde.

Ohne zentrale Kirchenleitung, aber mit den Mitteln intensiver Literaturarbeit, Lehrkonferenzen und ausgiebiger Reisetätigkeit von Bibellehrern und Evangelisten, wollten „die Brüder" Gemeindebau nach dem Vorbild des Neuen Testamentes fördern.

Bedingt durch Erkenntnis- und Kulturunterschiede hat sich im Lauf der Jahre ein recht breites Spektrum an Gemeinden gebildet, die sich mit dieser Bewegung identifizieren.

Leider spalteten sich die „Brüder" schon sehr früh (1848 in England - Bethesda-Streit) in zwei große Gruppen: einerseits die so genannten Exklusiven Brüder (in Deutschland auch Geschlossene oder Elberfelder Brüder genannt) und andererseits die Offenen Brüder.

Weitere Infos zur Geschichte der Brüderbewegung in Deutschland finden Sie auf www.bruederbewegung.de - einer Infoseites des brüdergruppenübergreifenden Arbeitskreises Geschichte der Brüderbewegung.

Freie Brüdergemeinden - Wie wir wurden, was wir sind.

In der jüngeren Vergangenheit hat besonders die Zeit des Nationalsozialismus (und die frühen folgenden Jahre) in der Brüderbewegung in Deutschland gravierende Veränderungen verursacht. Zunächst wurde, für Viele wie aus heiterem Himmel, im April 1937 die Christliche Versammlung (Geschlossene Brüder) von der Nazi-Regierung reichsweit verboten. Eine neue Organisation, genannt „Bund freikirchlicher Christen" (BfC), die in ihren Strukturen den Vorstellungen des Staates entsprach, konnte im Mai 1937 gegründet werden. Die meisten Gläubigen der ehemals Geschlossenen Brüder traten diesem neuen Bund bei (bis auf einige sogenannte Nicht-Bündler) und konnten sich nun wieder zu ihren Gottesdiensten versammeln. Nur wenige Monate später (im Nov. 1937) schlossen sich die Offenen Brüder ebenfalls dem BfC an, so dass jetzt Geschlossene und Offene Brüder in Deutschland vereint waren - ein historisch einzigartiger Vorgang weltweit.

1941 folgte ein weiterer Zusammenschluss, der durchaus nicht vom Staat gefordert wurde: BfC und Baptistenbund vereinigten sich zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG). Diese Vereinigung brachte schließlich eine organisatorische Struktur hervor, die ohne die gespannte Lage im Nationalsozialismus nicht entstanden wäre und vielen Brüdern Mühe machte.

So gab es nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Westdeutschland eine beträchtliche Zahl von Gemeinden und Einzelpersonen, die zwar zum BEFG gehörten, sich aber mit verschiedenen Aspekten des Bundes nicht identifizieren konnten. Schon bald nach Kriegsende setzte eine Debatte darüber ein, ob dieser Bund der richtige Rahmen für die Brüdergemeinden sei. So fanden sich im Jahr 1949 Gemeindevertreter von austrittswilligen Bundesgemeinden zusammen und beschlossen ihren Weg frei von den fremden Strukturen des BEFG zu gehen, aber auch frei von der exklusiven Enge, wie sie vor 1937 in vielen Geschlossenen Gemeinden üblich war. Die Offenheit gegenüber allen Kindern Gottes hatte man unter den schweren Erfahrungen der Vergangenheit als schriftgemäß erkannt, und deshalb sollte nun auch daran festgehalten werden (so die Sicht der ehemals Geschlossenen Brüder) bzw. diese Haltung fortgesetzt werden (so die Sicht der ehemals Offenen Brüder). Insofern nimmt man in der 1949 entstandenen Freien Brüdergruppe nun (wieder) den Standpunkt aus der Anfangszeit der Brüderbewegung in England vor 1848 ein, den des Offenen Brüdertums.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands setzte in den Brüdergemeinden der neuen Bundesländer ein ähnlicher Prozess ein, wie er sich im Westen schon nach dem Zweiten Weltkrieg vollzogen hatte.

Trotz der Entwicklung hin zu einer eigenständigen Brüdergruppe wissen sich Freie Brüdergemeinden der gesamten Brüderbewegung in Deutschland verbunden. Besonders schön ist es, wenn man die Gemeinschaft, die unserer Herr Jesus Christus gemacht hat, ungetrennt beim Brotbrechen erleben darf.